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„Münster täglich“ historisch: Der „Ziegenbaron“ ist hundert, Teil 1. (19.10.1955)

 MÜNSTER. Von Theodor Breider. Mit Böllerschüssen, Fanfarenstößen und einem tausendfachen „Mäh-Mäh“ feiern die Freunde und Angehörigen des „Vereins der Ehrenmitglieder für Hebung der Ziegenzucht“ heute ihren „Ziegenbaron“, Alfred von Renesse,der nach viermaligem Anlauf in sein zweites Jahrhundert eintritt. Der stadt- und landbekannte alte Herr , seit Jahren schon zum Original geworden und Held zahlloser Anekdoten, hat 1900 mit seiner Vereinsgründung eine Entwicklung eingeleitet, die ihm ein durchaus ernstes Anliegen war und die wir nachfolgend ins Gedächtnis zurückrufen.
Der "Ziegenbaron" (re.) wurde 1955 hundert Jahre alt. Foto: Sammlung Henning Stoffers.

Der „Verein der Ehrenmitglieder für Hebung der Ziegenzucht“ wurde im Jahre 1900 von dem heute 100 Jahre alten „Ziegenbaron“, Alfred von Renesse, der damals Landwirtschaftslehrer war, und dem Arzt Dr. Thalmann im Gasthaus Kruse auf der Ludgeristraße gegründet. Fünf Ziegenzüchter waren die ersten Mitglieder. Aber schon am nächsten Tag erhielt der Verein einen gewaltigen Aufschwung. 

Als der damalige Regierungspräsident Freiherr von Gescher dem Verein beitrat und dann im ganzen Regierungsbezirk neue Ziegenzuchtvereine gründen half. Dann folgte die erste Stadtverordnetenversammlung, in der der gesundheitliche und soziale Wert der Ziegenmilch hervorgehoben und deshalb dem Verein eine Beihilfe von 150 Mark bewilligt wurde. Versammlungen und Neugründungen in verschiedenen Orten des Landkreises Münster machten den

„Verein der Ehrenmitglieder für Hebung der Ziegenzucht“ überall bekannt.

In der damaligen Zeit war das eine durchaus ernste Angelegenheit. Ganz Münster war vertreten, wenn die Vereinsmitglieder in Appels Garten auf der Neubrückenstraße aufzogen oder wenn sie ihre originellen volkstümlichen Veranstaltungsabende abhielten. Die Stiftungsfeste mit Gesang und Musik, auf denen der Regierungspräsident, der Adel und die münstersche Studentenschaft anwesend waren, gestaltete der „Ziegenbaron“ durch seinen goldenen Humor zu einem besonderen Erlebnis.


Soweit Teil 1 des Berichts von Theo Breider. Teil 2 folgt in Kürze auf „Münster täglich“. Meinen Roman „Der Ziegenbaron“, erschienen im Aschendorff-Verlag, findet Ihr hier:https://t.co/fSyMpbZXTQ

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