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Bauprojekt Friedrichsburg: Wo bleiben die Wohnungen?

 

MÜNSTER. Eigentlich sollten hier rund 500 Wohnungen entstehen, dazu Kitas, Gastronomie, Nahversorgung und Büros. Eigentlich. Auf dem ehemaligen Klosterareal "Friedrichsburg" zwischen Weseler Straße und Kolde-Ring soll eines der größten neuen Stadtquartiere Münsters entstehen. Doch derzeit ist von diesem Vorhaben auf dem Gelände kaum etwas zu erblicken, nur eine grüne Wiese ist zu sehen. Der Hochbau hat noch immer nicht begonnen, der Tiefbau allerdings auch nicht. Lediglich ein paar Baumaterialien wurden abgelegt. Bauarbeiter? Fehlanzeige. LKWs? Fehlanzeige. Totenstille. Achja: In der Ferne sind zwei Kräne zu sehen. Doch die rühren sich nicht. Hier tut sich nichts.

Warum tut sich an der Friedrichsburg nichts? Fotos: Siegmund Natschke

Dabei sind die planerischen Voraussetzungen längst geschaffen. Der Bebauungsplan wurde 2022 beschlossen, die Baugenehmigung folgte am 21. Mai 2024. Mehr als zwei Jahre später wartet das Projekt weiterhin auf den eigentlichen Baubeginn.


Investor und Bauherr ist die LVM Versicherung. Das Unternehmen hatte den größten Teil des ehemaligen Klosterareals erworben und will dort ein neues urbanes Quartier entwickeln.

Warum es nicht weitergeht, beantwortet die LVM auf Nachfrage von „Münster täglich“ nur allgemein. Kristina Hoppe von der LVM-Öffentlichkeitsarbeit verweist darauf, dass sich die Umsetzung großer Immobilienprojekte in den vergangenen Jahren generell deutlich erschwert habe. Als Ursachen nennt sie „gestiegene Baukosten und die veränderten Rahmenbedingungen in der Immobilien- und Baubranche“. Vor diesem Hintergrund würden die Planungen „laufend überprüft und weiterentwickelt“.

Konkreter wird die LVM nicht. Zu Kosten, Vermarktungsständen oder einzelnen wirtschaftlichen Fragestellungen könne man „aus Gründen der Vertraulichkeit“ keine Auskünfte erteilen. Damit bleibt offen, ob und in welchem Umfang die Wirtschaftlichkeit des Projekts inzwischen eine Rolle spielt. Oft sagt das Nichtgesagte das meiste aus.

Im Frühjahr 2025 waren zunächst Probleme rund um die geplante Tiefgarage öffentlich geworden. Die Tiefgarage ist ein wesentlicher Bestandteil des Quartiers; vorgesehen sind rund 500 Pkw-Stellplätze sowie eine große Fahrradgarage. Die LVM bestätigt in ihrer aktuellen Stellungnahme allerdings nicht ausdrücklich, dass die Tiefgarage der entscheidende Grund für den gegenwärtigen Stillstand ist.

Schon bei Erteilung der Baugenehmigung im Mai 2024 hatte die LVM deutlich gemacht, dass nicht unmittelbar mit umfangreichen Bauarbeiten zu rechnen sei. Zunächst sollten weitere Untersuchungen und Vorbereitungen für die Baugrube erfolgen. Als Fertigstellungstermin wurde damals frühestens 2030 genannt.


Die Entwicklung zieht sich damit bereits seit Jahren hin: Nach dem Erwerb des Areals durch die LVM 2017/18 wurde 2022 der Bebauungsplan beschlossen. 2023 wurde das Gelände für die geplante neue Nutzung vorbereitet. Im Mai 2024 folgte die Baugenehmigung. Doch auch 2026 ist auf dem Areal noch immer kein Fortschritt zu sehen.

Für Münster ist die Verzögerung durchaus relevant. Dringend benötigte Wohnungen sollen auf dem zentral gelegenen ehemaligen Klosterareal entstehen. Wann die Wohnungen tatsächlich gebaut werden, ist derzeit allerdings offen. Einen konkreten neuen Baubeginn nennt die LVM in ihrer aktuellen Stellungnahme nicht.

Die Friedrichsburg ist damit ein weiteres großes münstersches Bauprojekt, bei dem zwischen Planung und tatsächlicher Umsetzung inzwischen eine erhebliche Lücke klafft. Baurecht und Baugenehmigung sind vorhanden – gebaut wird trotzdem noch nicht. Die Krise hat Münster erreicht.

                      (C) Siegmund Natschke

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