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Amoklauf im Altersheim - das steckt dahinter

 MÜNSTERLAND. Eine Tote, zwei schwer verletzte Frauen und ein Seniorenheim im Schockzustand: Der Messerangriff im St.-Vitus-Stift in Olfen hat weit über die Stadtgrenzen hinaus für Entsetzen gesorgt. In der letzten Woche stach ein 72-jähriger Bewohner  in der Cafeteria auf drei Mitbewohnerinnen ein. Eine 86-jährige Frau starb noch am Tatort. Die beiden anderen Frauen, 81 und 83 Jahre alt, mussten im Krankenhaus operiert werden. Inzwischen befinden sich beide außer Lebensgefahr.

Der Tatverdächtige wurde von der Polizei widerstandslos festgenommen. Gegen ihn erging Haftbefehl wegen Totschlags und zweifach versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Wegen multipler Vorerkrankungen wurde er in ein Justizvollzugskrankenhaus gebracht. 

„Es wird dauern, bis sie das verarbeitet hat!“

Bei Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern sitzt der Schock tief. Sie werden seelsorgerisch begleitet. Es gibt konkrete Gesprächsangebote, Unterstützung durch die Kirchengemeinde und Maßnahmen der Heimleitung.

Der Angehörige Luka S. erfuhr während eines Fußballabends mit seinen Mannschaftskameraden von dem Geschehen. Sofort entschloss er sich nach Olfen zu fahren. Im WDR-Fernsehen sagte er später: „Ich saß tatsächlich gestern Abend beim Fußball mit meinen Mannschaftskameraden in der Kabine. Dann habe ich einem Kumpel gesagt: Pass auf, fahr mich am besten direkt nach Olfen.“

Seine Großmutter war körperlich wohlauf. Doch die seelische Belastung ist erheblich, denn sie kannte die getötete Frau. Luka S. schilderte dem WDR: „Da hat sie deutlich mit zu knacken, weil sie die Person auch kennt, die gestorben ist. Und ihre Aussage war: Das wird mit Sicherheit noch ein bisschen andauern, bis sie das verarbeitet hat.“

Auch andere Angehörige wollen ihre Familienmitglieder behutsam begleiten. Katrin Limburg erklärte ebenfalls dem WDR-Fernsehen, sie wolle zunächst abwarten, wie es ihrer Angehörigen gehe. „Wenn sie von sich aus darauf kommt, habe ich noch Kreuzworträtsel mit, um sie etwas abzulenken. Aber so direkt ansprechen möchte ich sie eigentlich nicht.“

Michael Czekala wiederum war erleichtert, dass seine demenzkranke Mutter den Vorfall offenbar nicht mitbekommen hatte. Sie habe geschlafen und den Fernseher laut gestellt, weil sie schlecht höre. „Insofern war das jetzt mal ganz gut. Die hat tatsächlich nichts mitgekriegt“, sagte er dem Fernsehsender.

Was brachte den 72-Jährigen zu der Tat?

Die entscheidende Frage ist weiterhin offen: Warum griff der Bewohner seine Mitbewohnerinnen mit einem Messer an? Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft hat sich der Beschuldigte bei seiner richterlichen Vorführung weder zum Tatablauf noch zur Motivation geäußert.  Auf "Münster täglich"-Nachfrage wollten sich beide nicht weitergehend äußern und verwiesen auf die gemeinsame Presseerklärung.

Der WDR berichtete unter Berufung auf einen Bericht der Bild-Zeitung, der Tatverdächtige habe sich nach Darstellung dieses Mediums von Mitbewohnerinnen gemobbt gefühlt und sich "rächen" wollen. Eine offizielle Bestätigung dieser Darstellung durch die Ermittlungsbehörden liegt bislang nicht vor. Ob es tatsächlich entsprechende Konflikte gab und ob sie für den Angriff eine Rolle spielten, ist ungeklärt.

Im St.-Vitus-Stift leben nach Betreiberangaben 77 pflegebedürftige Senioren. Viele Bewohner sind auf Unterstützung angewiesen, manche leben mit Demenz. Beim mutmaßlichen Täter gibt es keine dementiellen Anzeichen, Zum Haus gehört außerdem betreutes Wohnen mit 36 barrierefreien Wohnungen.

Im münsterländischen Olfen geschah die Tat. Foto: Raenmaen / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Für die Menschen in Olfen bleibt eine Tat, die den Alltag eines Ortes der Pflege und Betreuung jäh zerstört hat. Eine Bewohnerin ist tot, zwei weitere Frauen müssen das Geschehen körperlich und seelisch verarbeiten. Und die Frage, warum ein 72-jähriger Mann zu solcher Gewalt griff, wartet noch immer auf eine belastbare Antwort. Die Ermittlungen dauern an.

                     (C) Siegmund Natschke

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