MÜNSTER. Sie kennen doch bestimmt Christian Bleiming? Genau. Bleiming ist allgemein bekannt als „westfälischer Boogie-König“, war aber auch mal ein umtriebiger Journalist der „Münsterschen Zeitung“: Doch als 20jähriger verdiente er mehr Geld an den meist verstimmten Klavieren der heimischen Erlebnisgastronomie, wie Bleiming humorvoll in seinem neuesten Buch beschreibt, als mit den Artikeln über Konzerte seiner Heimat. Also habe die „Münstersche Zeitung“ schon bald ohne Christian Bleiming auskommen müssen, denn: Der schreibende Musiker wurde durch unzählige umjubelte Auftritte zum unangefochtenen „Boogie Woogie König“.
Der "Boogie-König" schreibt jetzt auch. Foto: Siegmund Natschke.Diesen Titel machte ihm bis heute keiner streitig. Auch nicht, als Bleiming 2021 in die künstlerische Altersteilzeit ging. Nun war genug Zeit, in seinen Erinnerungen zu kramen, und die sind richtig amüsant. Als Leser möchte man hin und wieder einfach aufstehen, in die Handlung eintreten - und einfach mitspielen.
Man wäre eben einfach gerne dabei gewesen bei den beschriebenen Episoden, auch wenn sie mitunter Pleiten, Pech und Pannen beschreiben. So lernt man etwa, dass man vor einem wichtigen Auftritt niemals mit einem Oldtimer vorfahren sollte, insbesondere dann nicht, wenn das parkende Auto kontinuierlich Öl verliert, die Gäste fleißig durch die Lache marschieren und die klebrige Masse im ganzen Haus verteilen. Und noch mehr kann man lernen. So etwa, wer die „Wannweiler Weiberhelden“ sind, welche Tricks es bei der „Repertoireliste“ gibt, und warum Bleiming seine Gagenforderungen mitunter in Gedichtform vorträgt. Und manchmal kommt der geneigte Leser auch ins Grübeln: Es ist zwar alles Fiktion, ganz sicher, aber die ein oder andere Person kommt einem doch bekannt vor? Sind das vielleicht gar keine ausgedachten Romanfiguren, sondern ganz real existierende Personen? Sind da vielleicht sogar Prominente darunter?
Christian Bleiming schafft es wirklich, den Leser zu packen und ihn immer wieder zum Schmunzeln und zum Lachen zu bringen. Es scheint ihm auch einen Heidenspaß zu bereiten, ihn erst in die Irre und dann wieder heraus zu führen. Wenn er anfangs von der wissenschaftlichen Unterscheidung zwischen E- und U-Musik sinniert, will man fast schon weiterblättern, fast. Und plötzlich zündet Bleiming ein mitreißendes Anekdoten-Feuerwerk, das man niemals geahnt hatte. Das ist vielleicht die größte Lehre des Buches: So schreibt man wirklich brillant. Was James Harriot („Der Doktor und das liebe Vieh“) bei den Tierärzten war, ist Christian Bleiming bei den -schreibenden- Musikern. Man will sofort mehr lesen und noch mehr. Also, dann ist die Fortsetzung doch gebongt, oder? Und wie wär´s eigentlich mit einer Verfilmung?
Christian Bleiming: Klaviaturen. Ein Boogie Woogie-Pianist tastet sich vor und erzählt. Agenda Verlag, Münster. 2026. 16, 90 EUR.
(C) Siegmund Natschke
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