Direkt zum Hauptbereich

 Kürzung der Schulbegleitung: Stadt setzt auf Pools statt auf individuelle Hilfe

 MÜNSTER. Für Kinder mit Behinderung ist eine Schulbegleitung häufig (nicht immer) eine wichtige Voraussetzung, um überhaupt am regulären Schulunterricht teilnehmen zu können. Doch in Münster wird nun der Rotstift angesetzt und diese individuelle Unterstützung zunehmend gebündelt: Zum Schuljahr 2026/27 sollen an weiteren Schulen sogenannte „Schulpools“ eingeführt werden. Das erfuhr „Münster täglich“ exklusiv.

Die Stadt Münster kürzt bei den Schulbegleitungen. Foto: RomanWidy93/ Wikimedia Commons, CC0 .

Dabei werden Schulbegleitungen nicht mehr ausschließlich einem einzelnen Kind zugeordnet, sondern unterstützen gleich mehrere Kinder. Die Stadt spricht auf „Münster täglich“-Anfrage von einer „flexibleren Organisation“ und davon, dass die Hilfe dadurch weniger stigmatisierend wirke. Gleichzeitig räumt sie aber ein, dass die Poolmodelle Kosten dämpfen und Synergien fördern sollen.

Für die betroffenen Kinder kann das allerdings eine faktische Kürzung bedeuten: Aus der individuellen 1:1-Unterstützung wird so eine geteilte Betreuung. Die Schulbegleitung muss ihre Zeit und Aufmerksamkeit auf mehrere Kinder verteilen.

Wie viel Münster damit einsparen will, sagt die Stadt nicht. Dass sie es tut, ist sonnenklar. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 gab es 472 Fälle von Eingliederungshilfe für geistig und körperlich behinderte Kinder.

Wie stark die Kosten inzwischen gestiegen sind, zeigt Hamburg. Dort erhöhten sich die Ausgaben für Schulbegleitung von 6,75 Millionen Euro im Jahr 2014 auf ganze 42,15 Millionen Euro 2025. Kritiker bemängeln, dass die Indikation für Schulbegleitungen zunehmend Fälle umfasst, die tatsächlich ganz andere Hilfen benötigen würden, wie etwa Sprachkurse. Die Zahl der bewilligten Fälle stieg im gleichen Zeitraum von 1.574 auf 4.011.

Auch Hamburg setzt deshalb verstärkt auf gebündelte Unterstützungsangebote. Die zuständige Behörde spricht zwar nicht von Kürzungen, sondern von einer „Weiterentwicklung der Schulbegleitung“ und einer „effizienteren Nutzung der vorhandenen Ressourcen.“

Für die betroffenen Familien dürfte die Bezeichnung allerdings zweitrangig sein: Wenn eine bisher individuelle Unterstützung künftig mehreren Kindern gleichzeitig zugutekommen soll, steht jedem einzelnen Kind weniger exklusive Betreuung zur Verfügung.

Münster geht nun ebenfalls diesen Weg. Wie viele individuelle Schulbegleitungen dadurch tatsächlich eingespart werden und wie hoch die finanziellen Einsparungen sind, lässt die Stadt noch offen. Klarheit wird spätestens das nächste Schuljahr bringen. „Münster täglich“ wird weiter berichten.

(C) Siegmund Natschke

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Sprakel: Gaststätte „Sandruper Baum“ schließt – und öffnet

  SPRAKEL. Ganz Sprakel stand kurzzeitig unter Schock: Die traditionsreiche Gaststätte „Sandruper Baum“ schließt für immer ihre Pforten, hieß es. Und in der Tat: “Unsere Zeit ist hier zu Ende.“, hieß es von den Pächtern Holger und Brigitte Pohlkamp in einem emotionalen Facebook-Post: “Nach siebzehn und erfolgreichen Jahren heißt es nun Abschied nehmen.“ Mit einem weinenden und einem lachenden Auge schließe man die Türen der Gaststätte „Sandruper Baum“. Ein Ort, der dank den Gästen so viel mehr gewesen sei als ein Arbeitsplatz. Denn: “Wir durften unzählige liebe Kunden begrüßen und begleiten, wundervolle Hochzeitsfeiern, liebevolle Geburtstage, feuchtfröhliche Vereinsveranstaltungen und so viele besondere Momente miterleben.“ Jede einzelne davon bliebe in bester Erinnerung. Und so schließt der Post: “Danke für siebzehn Jahre voller Begegnungen, Geschichte und Genuss. Danke für alles!“ Die Gaststätte "Sandruper Baum" schließt vorübergehend ihre Pforten. Foto: Siegmund Natschke...

Bauprojekt Friedrichsburg: Wo bleiben die Wohnungen?

  MÜNSTER. Eigentlich sollten hier rund 500 Wohnungen entstehen, dazu Kitas, Gastronomie, Nahversorgung und Büros. Eigentlich. Auf dem ehemaligen Klosterareal "Friedrichsburg" zwischen Weseler Straße und Kolde-Ring soll eines der größten neuen Stadtquartiere Münsters entstehen. Doch derzeit ist von diesem Vorhaben auf dem Gelände kaum etwas zu erblicken, nur eine grüne Wiese ist zu sehen. Der Hochbau hat noch immer nicht begonnen, der Tiefbau allerdings auch nicht. Lediglich ein paar Baumaterialien wurden abgelegt. Bauarbeiter? Fehlanzeige. LKWs? Fehlanzeige. Totenstille. Achja: In der Ferne sind zwei Kräne zu sehen. Doch die rühren sich nicht. Hier tut sich nichts. Warum tut sich an der Friedrichsburg nichts? Fotos: Siegmund Natschke Dabei sind die planerischen Voraussetzungen längst geschaffen. Der Bebauungsplan wurde 2022 beschlossen, die Baugenehmigung folgte am 21. Mai 2024. Mehr als zwei Jahre später wartet das Projekt weiterhin auf den eigentlichen Baubeginn. Inves...

Münster verhängt die Haushaltssperre - was das bedeutet

 MÜNSTER. Münster hat ein großes Geldproblem. Die Stadt verhängt deshalb mit sofortiger Wirkung eine Haushaltssperre. Grund dafür sind deutlich geringere Einnahmen, mit denen die Stadt im kommenden Jahr rechnen kann. Besonders kritisch sieht es bei den Zahlungen des Landes aus. Münster sollte 2027 eigentlich rund 95 Millionen Euro an sogenannten Schlüsselzuweisungen bekommen. Nach einer neuen Berechnung werden es aber voraussichtlich nur etwa 2,8 Millionen Euro sein. Ein Desaster. Denn der Stadt fehlen damit mehr als 92 Millionen Euro. Dieses Geld kann nicht einfach an anderer Stelle ersetzt werden. Die Stadt muss deshalb ihre geplanten Ausgaben überprüfen und nach Möglichkeiten suchen, weniger Geld auszugeben. Genau hier kommt die Haushaltssperre ins Spiel. Sie bedeutet nicht, dass Münster ab sofort überhaupt kein Geld mehr ausgeben darf. Der beschlossene Haushalt bleibt bestehen. Aber bei neuen Ausgaben wird jetzt genauer hingeschaut. Ausgaben müssen teilweise einzeln geprüft ...