„Wie kann es sein, dass nun alle von uns für einen Termin quer durch die Stadt müssen? Viele von uns sind älter, wenig mobil und haben chronische Krankheiten. Und wenn wir akut krank sind, sollen und wollen wir doch nicht über fünfzehn Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur nächsten Praxis fahren. Da ist das Ansteckungsrisiko für andere doch viel zu hoch“ erklärt etwa Daniella, Anwohnerin aus Berg Fidel, stellvertretend für viele.
Doch es tut sich was: Die Stadtteil-Initiative „Berg Fidel solidarisch“ hat im Rahmen der Kommunalen Gesundheitskonferenz knapp hundert Unterschriften für eine Hausarztpraxis in Berg Fidel an Cornelia Wilkens, Vorsitzende der Gesundheitskonferenz, überreicht. „Die Unterschriften drücken Enttäuschung, Frustration und die Forderung nach einer Lösung vor Ort aus und sind eine lautstarke Handlungsaufforderung an die Stadt“, so Nino von „Berg Fidel solidarisch“.
Auf der Konferenz, bei der auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe teilnahm, wurde unter anderem über den „Gesundheitskiosk“ gesprochen, der im nächsten Jahr in Berg Fidel entstehen soll. „Was dieser konkret leisten wird, ist noch nicht klar, fest steht aber, einen Arzt oder eine Ärztin ersetzt er nicht, auch wenn das von manchen Politikern so verkauft wird.“, heißt es von „Berg Fidel solidarisch“.
In Berg Fidel leben derzeit knapp 6000 Menschen, das sind deutlich mehr, nämlich das Dreifache, an Patienten, die normalerweise pro Kassensitz zugerechnet werden. Dennoch rentierte sich die Hausarztpraxis unter der Leitung von Dr. Post scheinbar nicht. Im Stadtteil wohnen unterdurchschnittlich wenige Menschen mit einer privaten Krankenversicherung und die meisten haben ein verhältnismäßig geringes Einkommen. Beides sind Faktoren, welche sich negativ auf die Rentabilität eines Praxisstandortes auswirken. „Solange das Gesundheitssystem und die ärztliche Versorgung auf Profite ausgerichtet ist, werden Stadtteile wie Berg Fidel vernachlässigt werden. Es lohnt sich einfach nicht und das finanzielle Risiko ist anscheinend zu hoch“ so Nino von „Berg Fidel solidarisch“.
Ein kommunales medizinisches Versorgungszentrum wäre eine sehr gute Lösung gewesen, meint die Initiative: “Auf uns wirkt es so, als wäre es gar nicht richtig versucht worden, eine Lösung hier vor Ort zu finden“, teilt Nino mit. Bei einem kommunalen Versorgungszentrum in öffentlicher Hand hält die Stadt den Kassensitz und stellt Ärzte als Beschäftigte an. Dieses Modell findet immer mehr Anwendung in ländlichen und städtischen Gebieten, in denen sich keine Ärzte selbstständig niederlassen.
Bei der Schließung der Hausarztpraxis handelt es sich um die Fortführung eines besorgniserregenden Trends. Bereits in der letzten Bezirksvertretungssitzung Münster Hiltrup im Preußenstadion hat Natalia Sikach von „Berg Fidel Solidarisch“ Politik und Verwaltung darauf hingewiesen, dass die Daseinsvorsorge in Berg Fidel immer mehr schwindet. „Post, Sparkasse, Arztpraxis – alles verschwindet hier, und die Räume bleiben leer zurück“. Auf die Frage was Politik und Verwaltung hiergegen zu tun gedenken, habe sie, so teilt sie mit, keine „substanziell zufriedenstellende“ Antwort erhalten, sondern lediglich den Hinweis, dass der Supermarkt und die Apotheke ja immerhin noch da wären. „Das ist auch nicht viel mehr als ein Trostpflaster, zumal die Sorge in Berg Fidel groß ist, dass ohne Praxis nebenan die Apotheke ebenfalls schließen könnte.“ ,sagt Natalia Sikach. Fortsetzung folgt...
(C) Siegmund Natschke

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