MÜNSTER. Ein vierzig Jahre alter Baum, am Aasee, den viele Münsteraner ins Herz geschlossen hatten, ist umgekippt. Zu Schaden gekommen ist niemand. Jetzt hat die Stadt etwas Ungewöhnliches vor.
Die Weide stürzte in den Aasee. Fotos: Siegmund Natschke.Immer wieder gehen Passanten zu der Stelle, an der der knorrige, alte Baum liegt. So, als ob sie es kaum glauben könnten, was hier passiert ist. Die dünnen, langen Äste ragen in das Wasser des Aasees hinein.
Der umgestürzte Baum wird nicht geborgen. Er soll nun ganz bewusst zur Förderung der Struktur- und Artenvielfalt -ganz oder teilweise- vor Ort verbleiben. Art und Umfang der Maßnahme würden derzeit von der Verwaltung geprüft und abgestimmt, so Füser. Totholz sei ein essentieller Bestandteil von Gewässerökosystemen. So diene die Krone von Sturzbäumen zum Beispiel als Rückzugs- und Fortpflanzungsort für Fische.
Im Aasee bieten solche Strukturen offenbar ebenfalls wichtige Jagdhabitate für Raubfische. Darüber hinaus ist Totholz wichtiger Lebensraum und Nahrungsquelle für einige Arten des "Makrozoobenthos". Hierbei handelt es sich um kleine Organismen, wie zum Beispiel Insektenlarven, Krebstiere, Schnecken, Würmer und Muscheln. Die Maßnahme ist Bestandteil der "Resilienzstrategie" und des Handlungskonzeptes für den Aasee und soll zur ökologischen Verbesserung und Stabilisierung des Gewässers beitragen. Eine Ersatzpflanzung sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgesehen.
Die Passanten zeigen sich derweil gegenseitig, wo der umgestürzte Baum liegt. Manche scheinen regelrecht Abschied zu nehmen, auch ganze Familien. Es ist eben mehr als totes Holz, das hier liegt. Es sind Erinnerungen, die mit dem Baum verbunden sind. Ein Stück Leben, das nun zu Ende geht.
(C) Siegmund Natschke
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