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Serie "Meine besten Geschichten", Teil 8: der Rückwärtsläufer

 

Ich bin jetzt bald genau 15 Jahre im Lokaljournalismus. Ein Jubiläum, das mich sehr stolz macht. Ich habe in dieser Zeit jede Menge erlebt, unzählige Termine gehabt, viele Menschen getroffen und vor allem: ganz viele Artikel geschrieben. Es sind über 10.000 geworden... Eine enorme Zahl, die mein Archiv groß werden lässt. Es sind darunter unheimlich starke und spannende Geschichten, die es lohnen, nochmal erzählt zu werden. Für „Münster täglich“ krame ich ein bisschen in diesem Archiv und hole die besten Geschichten aus fünfzehn Jahren nochmal hervor. Die gibt’s jetzt ab sofort in der neuen Serie „Meine besten Geschichten“ zu lesen: www.muenster-taeglich.de.Weiter geht’s mit Folge 8 und dem Rückwärtsläufer Markus Jürgens.
MÜNSTER. Wenn Markus Jürgens läuft, dann rückwärts. Der Kinderhauser ist ein Rückwärtsläufer, zumindest im Sport. Damit ist er eine Besonderheit. Er hat sogar den Weltrekord im Rückwärtslauf-Marathon gelaufen. Das war 2017 in Hannover. Die Zeit: 3 Stunden 38 Minuten und 27 Sekunden. Bis jetzt ist keiner schneller gewesen. Jürgens ist auch ein Motivator. Er kann andere für seinen ungewöhnlichen Sport begeistern. Jetzt hat auch seine Freundin Jenny Wehmschulte das Rückwärtslauf-Fieber gepackt.

Markus Jürgens (re.) und Jenny Wehmschulte (li.) laufen rückwärts. Foto: Siegmund Natschke.

Eigentlich ist er ja ein Läufer-Multitalent. Triathlon macht er, und er versichert: „Früher bin ich immer vorwärts gelaufen.“ Dann hat sein Freund Achim Aretz ihn einmal angesprochen, ob er nicht auch einmal rückwärts laufen wolle. Der Essener ist ein bekanntes Gesicht in der „Szene“ und konnte Jürgens für den umgekehrten Lauf begeistern. Das war 2014. Zunächst wählte Jürgens ganz kurze Strecken, dann beim ersten Turnier die 5 Kilometer. Alles klappte gut. Sehr gut sogar. Im gleichen Jahr wurde er in Italien schon Weltmeister im Rückwärts-Halbmarathon. Es ging Schlag auf Schlag: In seiner Heimatstadt Münster versuchte er sich noch im selben Jahr an seinem ersten Rückwärtsmarathon.

Etwas langsamer ist man schon, wenn es in die umgekehrte Richtung geht. Bei Markus Jürgens sind es etwa eineinviertel Stunden über die Marathon-Distanz. Und da gibt es noch eine Besonderheit: Nämlich die Frage, wie man sich eigentlich nach hinten orientieren kann. Wer Markus Jürgens beim Rückwärtslaufen zusieht, bemerkt sehr schnell: Er schaut sich hin und wieder um,. Doch eigentlich, so versichert er, sei das gar nicht so oft nötig. Vieles könne man hören, auch durch den Straßenverlauf sei eine Orientierung möglich. Und in Münster gebe es auch viele gerade Strecken, etwa am Kanal, wo er häufiger langlaufe. Die kenne er gut.

Freundin Jenny Wehmschulte war oft bei Trainings mit dabei. Nun läuft sie auch selbst rückwärts. „Man muss ein bisschen Hoffnung in die Welt haben“, sagt sie in Bezug auf die Orientierung. Noch ist bei beiden immer alles gut gegangen. Die Technik des Duos ist fast filigran. Bei jedem Schritt setzen dieLäufer mit den Zehen auf, also auch genau umgekehrt wie beim Vorwärtslaufen. Manchmal gebe es bei anderen, die diesen Laufstil noch nicht kennen würden, auch Kopfschütteln, sagt Markus Jürgens. Doch er habe eine offene Natur. So kommt er damit gut zurecht. Und inzwischen ist er in Läuferkreisen auch eine bekannte Figur.

Im Moment wird im Uniparkhaus am Coesfelder Kreuz trainiert. Dort findet am 9. Juni der Parkhausmarathon statt (Start: 9 Uhr), den er selbst in Kooperation mit dem Institut für Sportwissenschaft der Uni Münster veranstaltet. Gelaufen wird natürlich rückwärts und zwar acht Stockwerke hoch und dann wieder runter. Das entspricht einer Strecke von zweimal 550 Meter. Jeweils 18 Höhenmeter werden zurückgelegt. Das Ganze geschieht zugunsten des Vereins „Diagnose ALS – was nun“. Markus Jürgens liegt es am Herzen, möglichst für karitative Zwecke zu laufen. Deshalb sein Appell: „Trainiert fleißig, meldet Euch an, ich freue mich auf Euch.“

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