Direkt zum Hauptbereich

Serie "Musik aus Münster": Der Rapper von Kinderhaus

 

MÜNSTER/ KINDERHAUS. Hier ist er zu Hause. Dennis Delbrügge steht vor dem Atrium am Sprickmannplatz, die Hochhäuser im Rücken. „Kinderhaus ist ein Schandfleck, aber es ist mein Schandfleck“, sagt er. Hier sei seine Heimat. Und über die rappt er. Delbrügge nennt sich auch „Unruhe“. Das ist sein Musikername. „Ich bin hier der Rapper in Kinderhaus“, sagt er selbstbewusst.

.Der 24jährige hat er sich dem Sprechgesang verschrieben. „Ich bin durch das Slammen darauf gekommen“, meint Delbrügge. Insider wissen, was gemeint ist. Slammen ist nämlich das spontane Auftreten vor Publikum, ohne große Vorbereitung. Das geht mit normalen Texten wie mit schnellen Raps. Und die kann Delbrügge. Sein Thema ist dabei sein Leben. Hier in Kinderhaus.

Kinderhaus kann von außen brutal wirken“, sagt „Unruhe“. Alles passiere am hellichten Tage, es sei ein gefährliches Pflaster. Delbrügge selbst lebt in einem der Hochhäuser. Sein Vater Andreas Delbrügge war lange Mietersprecher in der Schleife. Sein Sohn weiß, was hier in der Gegend Sache ist. Aber er lässt nichts auf seine „Heimat“ kommen. Sein Rap ist positiv. Auch das szeneübliche „Dissen“, das bewusste Abwerten von konkurrierenden Rappern, hat er aufgegeben: „Ich hab´ mir irgendwann gedacht: Hör´ auf mit dem Shit.“ Und seitdem geht’s um seinen geliebten Stadtteil.

Aus Kinderhaus schmeißt mich keiner raus“, so Delbrügges Statement. Und: „Lass´ die Leute reden.“ Die Probleme hier kennt er, sicher. Er kümmert sich um das, was um ihn herum vorgeht. Die Musik nutzt er als Vehikel dafür. „Von nix und niemand zum Erfolg“, so rappt er in einem der Stücke. Inzwischen sitzt er regelmäßig in Aufnahmestudios und arbeitet mit professionellen Labels zusammen. Musikmanager sprechen ihn an. Delbrügge ist ein interessanter Junge. „Der Junge aus der Siedlung“ eben, so heißt es auch auf einem seiner Alben. „Nur sie“, das ist der Titel einer CD. „Ich brauche dich wie die Luft in meinem Atemzug“, so rappt er hier ausnahmsweise mal ganz sanft. Adressatin ist nicht etwa eine Frau. Sondern eine andere große Liebe. Nämlich seine Rap-Musik.

Dennis Delbrügge ist der "Rapper von Kinderhaus". Foto: Siegmund Natschke





Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Sprakel: Gaststätte „Sandruper Baum“ schließt – und öffnet

  SPRAKEL. Ganz Sprakel stand kurzzeitig unter Schock: Die traditionsreiche Gaststätte „Sandruper Baum“ schließt für immer ihre Pforten, hieß es. Und in der Tat: “Unsere Zeit ist hier zu Ende.“, hieß es von den Pächtern Holger und Brigitte Pohlkamp in einem emotionalen Facebook-Post: “Nach siebzehn und erfolgreichen Jahren heißt es nun Abschied nehmen.“ Mit einem weinenden und einem lachenden Auge schließe man die Türen der Gaststätte „Sandruper Baum“. Ein Ort, der dank den Gästen so viel mehr gewesen sei als ein Arbeitsplatz. Denn: “Wir durften unzählige liebe Kunden begrüßen und begleiten, wundervolle Hochzeitsfeiern, liebevolle Geburtstage, feuchtfröhliche Vereinsveranstaltungen und so viele besondere Momente miterleben.“ Jede einzelne davon bliebe in bester Erinnerung. Und so schließt der Post: “Danke für siebzehn Jahre voller Begegnungen, Geschichte und Genuss. Danke für alles!“ Die Gaststätte "Sandruper Baum" schließt vorübergehend ihre Pforten. Foto: Siegmund Natschke...

Bauprojekt Friedrichsburg: Wo bleiben die Wohnungen?

  MÜNSTER. Eigentlich sollten hier rund 500 Wohnungen entstehen, dazu Kitas, Gastronomie, Nahversorgung und Büros. Eigentlich. Auf dem ehemaligen Klosterareal "Friedrichsburg" zwischen Weseler Straße und Kolde-Ring soll eines der größten neuen Stadtquartiere Münsters entstehen. Doch derzeit ist von diesem Vorhaben auf dem Gelände kaum etwas zu erblicken, nur eine grüne Wiese ist zu sehen. Der Hochbau hat noch immer nicht begonnen, der Tiefbau allerdings auch nicht. Lediglich ein paar Baumaterialien wurden abgelegt. Bauarbeiter? Fehlanzeige. LKWs? Fehlanzeige. Totenstille. Achja: In der Ferne sind zwei Kräne zu sehen. Doch die rühren sich nicht. Hier tut sich nichts. Warum tut sich an der Friedrichsburg nichts? Fotos: Siegmund Natschke Dabei sind die planerischen Voraussetzungen längst geschaffen. Der Bebauungsplan wurde 2022 beschlossen, die Baugenehmigung folgte am 21. Mai 2024. Mehr als zwei Jahre später wartet das Projekt weiterhin auf den eigentlichen Baubeginn. Inves...

Tilman Fuchs: Das will der neue OB

  MÜNSTER. Schon nach der Hälfte der ausgezählten Stimmen war gegen 20 Uhr klar: Der nächste Oberbürgermeister von Münster wird der grüne Tilman Fuchs sein. Ganze 57, 91 Prozent der Wähler stimmten für ihn bei der Stichwahl am Sonntag, für seinen Kontrahenten Georg Lunemann (CDU) votierten 42,09 Prozent (vorläufiges amtliches Endergebnis). Vorgänger Markus Lewe (rechts) gratulierte Tilman Fuchs (li.) Foto: Stadt Münster. Was aber will der erste grüne Oberbürgermeister von Münster? Was sind seine Ziele und Positionen? Wenige Tage vor der Wahl hat das Tilman Fuchs gegenüber „Münster täglich“ erläutert. Um Münsters Finanzkollaps zu verhindern, müssen wir in den kommenden Jahren mehr als bisher Prioritäten setzen.“, betonte er: “Dabei sind für mich die durch den Rat beschlossenen Ziele der Stadt handlungsleitend: Klimaneutralität, Mobilität, Wohnen, der Abbau von Armut und Diskriminierung sowie eine starke Wirtschaft.“ Apropos Wohnen: Hier ging Tilman Fuchs ins Detail. Neue Wohnungen ...