Ich bin jetzt inzwischen über fünfzehn Jahre im Lokaljournalismus. Ein Jubiläum, das mich sehr stolz macht.
Ich habe in dieser Zeit jede Menge erlebt, unzählige Termine gehabt, viele Menschen getroffen und vor allem: ganz viele Artikel geschrieben. Es sind über 10.000 geworden... Eine enorme Zahl, die mein Archiv groß werden lässt. Es sind darunter unheimlich starke und spannende Geschichten, die es lohnen, nochmal erzählt zu werden. Für „Münster täglich“ krame ich ein bisschen in diesem Archiv und hole die besten Geschichten aus fünfzehn Jahren nochmal hervor. Die gibt’s jetzt ab sofort in der neuen Serie „Meine besten Geschichten“ zu lesen: www.muenster-taeglich.de. Weiter geht’s mit Folge 19 und „einmal Neuseeland und zurück“.
MÜNSTER. Jan Schedding hat sich einen Traum verwirklicht. Der Roxeler hatte schon lange vor, ins Ausland zu gehen. „Einmal so weit weg wie möglich zu sein“, das sei sein Vorhaben gewesen, sagt Schedding. Da habe er einfach auf die Landkarte geschaut und Neuseeland entdeckt: „Viel weiter weg geht es ja gar nicht“, sagte er zu sich. Und dann machte er den Traum wahr.
Jan Schedding verkauft Milchpulver an Landwirte, er ist im Außendienst eines Molkerei-Unternehmens tätig. Der 28jährige kennt die Branche aus dem ff. Schon früh hat er im familieneigenen Milchviehbetrieb mitgearbeitet und hat in Osnabrück Agrarwissenschaften studiert. Ganz klar, dass er auch in Neuseeland mit der Milchviehhaltung zu tun haben wollte. „Dort ist alles anders als hier“, sagt Schedding. Nicht unbedingt besser, aber anders.
Jan Schedding ist zurück in Roxel. Hier kümmert er sich wieder um die Jungkälber im elterlichen Betrieb. Foto: Siegmund Natschke.Von September 2017 bis zum April 2018 war Schedding am anderen Ende der Welt. In der Ortschaft Hinds im Süden des Landes, nur unweit der größten Stadt dieser „Southland Region“, Invercargill City. Die hat nur knapp über 50 000 Einwohner. „Das ist die Kernregion für die Milchviehwirtschaft“, sagt Jan Schedding. Hier arbeitete er, in einem großen Betrieb, in dem er herzlich aufgenommen worden ist. Die Freundlichkeit der Neuseeländer ist ihm aufgefallen. Aber es gab auch jede Menge Arbeit. „In den ersten drei bis vier Monaten hat man kein Sozialleben“, so der Roxeler: „Weil man sich um die Tiere kümmern muss.“ Morgens stand er mitunter um kurz vor 2 Uhr auf. Noch vor 4 Uhr ging es auf die Weide. Das war so ein Unterschied zu Deutschland: Die Milchkühe würden dort draußen gehalten. Bei Wind und Wetter nicht immer angenehm, für Mensch und Milchvieh nicht. Die Kühe stünden oft tief im Schlamm. Freude hat die Arbeit Schedding trotzdem gemacht. Beeindruckt hat ihn: Die Betriebe dort in Neuseeland hätten durchschnittlich über 700 Tiere: „In Westfalen sind es 70 bis 80.“ Das bedeute aber auch: „Hier ist das Tier mehr wert.“ Es gebe eine engere Beziehung zu ihm.
Doch irgendwann gab es dann doch einige Wochen Freizeit am Stück für Schedding: „Ich bin viel gewandert.“ Einmal habe er 48 Stunden lang keinen Menschen gesehen: „Das habe ich als sehr entspannend erlebt.“ Ein „Hüttensystem“ gebe es dort in Neuseeland, das er für seine einsamen Wanderungen genutzt hat. In diesen Tagen sei er ganz auf sich allein gestellt gewesen: „Städte habe ich gemieden.“ Ursprünglichkeit hat er erlebt: „Es zählte kein Geld mehr, sondern nur noch die Nahrung, die man im Rucksack mit dabei hat.“ Und traf er dann doch mal einen anderen Wanderer, so wurden die Lebensmittel einfach getauscht. Ganz begehrt sei da das Kakaopulver gewesen, das er stets mit dabei hatte.
Hier ist er zur Ruhe gekommen: „Man hat viel Zeit, um über Dinge nachzudenken.“ Das sei ein befreiendes Gefühl gewesen. Inzwischen ist der Roxeler wieder zu Hause und erzählt anderen über seine Erlebnisse. Jüngst auch bei der Versammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Albachten-Roxel. Es habe nur positive Reaktionen gegeben, so Schedding. Der auch eine Botschaft hat: „Ich will zeigen, dass auch hier eine Menge in der Landwirtschaft gut gemacht wird.“ Für ihn ist aber eins genauso klar: „Neuseeland ist eines der schönsten Länder der Welt.“
(C) Siegmund Natschke
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