MÜNSTER. Der münstersche Autor Burkhard Spinnen hat einen packenden Roman über Natur, Klima und Konflikte geschrieben. Für „Münster täglich“ hat das Buch die Literaturveranstalterin und Rezensentin Renate Rave-Schneider gelesen. Hier ist ihr Urteil:
„Oberhalb der Ortschaft Bellagio am Comer See hat es einen verheerenden Erdrutsch gegeben. Angeblich haben die dort lebenden Krähen diesen vorausgesehen. Eine renommierte Krähenforscherin verfolgt die Spuren und nimmt Kontakt mit einem ortsansässigen Tierarzt auf, der als "Vogelmann" bezeichnet wird oder auch als der neue „Heilige Franziskas“, weil er die Krähensprache versteht und auf einer Serviette die Orte weiterer Erdrutsche markiert!
Burkhard Spinnen und Charles Wolkenstein schreiben über Klima und Konflikte. Foto: Kanon-Verlag.
Tatsächlich gibt es genau dort, in den italienischen und schweizerischen Alpen, weitere Erdrutsche und auch Überflutungen der Gebirgsbäche.
Ich habe
diese spannende Dokumentationsprosa von der ersten bis zur letzten
Seite fasziniert gelesen, weniger wegen der Sprache, diese ist
bisweilen nüchtern und einfach, sondern wegen Inhalt und Stil!
Weiteres "Personal" taucht auf: eine Ordensfrau, einige
Tibeter, ein Bergsteiger mit seiner Mutter, die ein Restaurant
betreibt, eine Umwelt- Aktivistin, eine Marketingfrau, die
Krähenforscherin aus München und der Staatsminister von Mailand!
Ihnen allen geht es konkret darum, in den Alpen und der vom Tourismus
zerstörten und weiterhin davon gefährdeten Region des Comer Sees
ein nachhaltiges Refugium zu schaffen, das auf sanften,
umweltbewussten Tourismus setzt.
Umso mehr, weil dort ein
supergroßes gewinnbringendes Resort, das Little Tibet, gebaut werden
soll, was auf heftige Gegenwehr stößt. Es ist das besondere
Verdienst dieses Buches, dass es so transparent geschrieben ist, dass
man sich nicht nur von der Region, sondern von allen beschriebenen
Aktivitäten ein Bild machen kann. Das Buch packt eines der
wichtigsten Themen der heutigen Zeit an: die Umweltzerstörung durch
den Klimawandel, manches scheint überzogen, aber immer
hinreißend! Die Anzahl der angesprochenen Begriffe und Themen ist
beträchtlich.
Die gemeinsamen Bemühungen der meisten
Involvierten führen zum Erfolg, dass das Resort nicht gebaut werden
darf, stattdessen aber etwas Nachhaltigeres, Besseres entstehen kann. Ein sehr
lesenswertes Buch in gut lesbarer Schrift ist das. Egal
ob Dokumentationsprosa, Dystopie, Utopie: Der Roman ist auf alle
Fälle ein echt lesenswertes Buch, was schildert, wie viele
Umweltprobleme angefasst und nachhaltig gelöst werden wollen! Ich
träume nachts schon von Trüffelwäldern!“
Renate
Rave- Schneider, Copyright am 26.8.25
Renate Rave-Schneider träumt von Trüffelwäldern. Foto: privat.
Die „Münster
täglich“-Gastautorin Renate Rave- Schneider konnte letztes Jahr
auf dreißig Jahre als Literaturveranstalterin zurückblicken. Alles
begann im „Blickpunkt“, dem Lokal hinter dem Schlosstheater , wo
sie einen Stammtisch für Lesehungrige und Autoren gründete. Die
Gäste kamen von der Uni, aber auch vom Künstlerdorf
Schöppingen.
Zwei Jahre später, im April 1996, ging im Café
Saitensprung im Erphoviertel die erste „Poetry Party“ über die
Bühne , das war der Auftakt einer ganzen Serie weiterer
Dichtkunst-Veranstaltungen von Renate Rave-Schneider, bald kamen die
Literaturzeitschrift „Stadtindianer“ und die Radioproduktion der
Sendung „Poetry Rave“ im Medienforum Münster hinzu, so dass die
Journalistin Petra Noppeney 1997 schrieb: „In
Siebenmeilenstiefeln schreitet die Münsteranerin mit zahlreichen
literarischen Aktivitäten durch Münsters Literaturförderung.“
Seit
fünf Jahren rezensiert Renate Rave- Schneider regelmäßig
Belletristik, u a für DTV, den Mare Verlag und mehr, aber auch die
Werke befreundeter Autorinnen wie Andrea Timm oder Joachim Frank.
Burkhard
Spinnen & Charles Wolkenstein,
Erdrutsch,
352 Seiten, gebunden, SU,
auch als E- Book erhältlich,
Kanon-Verlag,
deutsche Erstausgabe, 25 €
ISBN 978-3-98568-161-7
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