Direkt zum Hauptbereich

Serie „Meine besten Geschichten“, Teil 13: der letzte Müller

 MÜNSTER. Ich bin jetzt bald genau 15 Jahre im Lokaljournalismus. Ein Jubiläum, das mich sehr stolz macht. Ich habe in dieser Zeit jede Menge erlebt, unzählige Termine gehabt, viele Menschen getroffen und vor allem: ganz viele Artikel geschrieben. Es sind über 10.000 geworden... Eine enorme Zahl, die mein Archiv groß werden lässt. Es sind darunter unheimlich starke und spannende Geschichten, die es lohnen, nochmal erzählt zu werden. Für „Münster täglich“ krame ich ein bisschen in diesem Archiv und hole die besten Geschichten aus fünfzehn Jahren nochmal hervor. Die gibt’s jetzt ab sofort in der neuen Serie „Meine besten Geschichten“ zu lesen: www.muenster-taeglich.de. Weiter geht’s mit Folge 13 und Johannes Beckmann, dem letzten Müller von Albachten.

Johannes Beckmann ist von altem Schrot und Korn. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn er ist Müllermeister. Ein fast ausgestorbener Beruf. Doch nicht bei Beckmann. Lebhaft und mit glänzenden Augen berichtete er am „Tag des offenen Denkmals“ von seiner Tätigkeit. Und von der Mühle, in der er bis ins Jahr 2006 hinein Getreide gemahlen hat.

Ein beständiges Denkmal: die Albachtener Mühle. Foto: Siegmund Natschke.

Der Denkmalstag stand in diesem Jahr unter dem Motto „Handwerk, Technik, Industrie“. Und dazu gehört auch das Müllerhandwerk. „Wir sind beständige Leute“, sagte Beckmann und meinte damit einerseits seinen Berufsstand, andererseits aber auch seine eigene Familie. Denn mit ihm hat schon die fünfte Generation in Albachten dieses Handwerk ausgeübt.

Ich war das Älteste der Kinder“, erzählte er. Und so war seine Berufswahl für ihn einfach eine Selbstverständlichkeit. Schon mit 14 Jahren ging Beckmann in die Lehre. Und heute mit 68 ist er noch genauso begeistert von der Tätigkeit des Müllers.

Die Mühle in Albachten stammte aus dem Jahre 1642, erklärte er den Gästen beim „Tag des offenen Denkmals“. Landwirte brachten ihre Ernteerträge vorbei, Weizen, Roggen und Gerste. Und dann wurde mit den Mühlsteinen gemahlen. Wenn die Mühle arbeitete, vibrierte das ganze Gebäude leise. Die schweren Mühlsteine drehten sich im gleichmäßigem Rhythmus, und in der Luft lag dann der Geruch von frischem Getreide . Körner rieselten in hölzerne Trichter, um wenig später als Mehl durch kleine Holzrutschen in bereitgestellte Säcke zu rieseln. Es war ein dumpfes Grollen und Knirschen, das den gesamten Raum erfüllte. So schlug das Herz der Mühle seit Jahrhunderten in demselben Takt. Die Überraschung für viele: Anfangs stand die Mühle gar nicht in Albachten, sondern in Münster. Erst im Jahre 1878 kam sie dorthin und leistete dann an dieser Stelle ihre Dienste. Später kamen dann noch ein Antrieb per Dampfmaschine und eine sogenannte „Hammerschlagmühle“ hinzu, die die Arbeit der Mühlsteine ersetzen konnten.

Bis zum Jahr 1932 hatte die Windmühle in Albachten auch noch Flügel, dann machte ihnen ein Blitz den Garaus. Seit 1947 arbeiteten dann ohnehin alle Maschinen in der Mühle elektrisch. Eine faszinierende Welt, die fast untergegangen zu sein scheint. Doch es gibt sie noch, man muss nur genau hinschauen.

(C) Siegmund Natschke



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Sprakel: Gaststätte „Sandruper Baum“ schließt – und öffnet

  SPRAKEL. Ganz Sprakel stand kurzzeitig unter Schock: Die traditionsreiche Gaststätte „Sandruper Baum“ schließt für immer ihre Pforten, hieß es. Und in der Tat: “Unsere Zeit ist hier zu Ende.“, hieß es von den Pächtern Holger und Brigitte Pohlkamp in einem emotionalen Facebook-Post: “Nach siebzehn und erfolgreichen Jahren heißt es nun Abschied nehmen.“ Mit einem weinenden und einem lachenden Auge schließe man die Türen der Gaststätte „Sandruper Baum“. Ein Ort, der dank den Gästen so viel mehr gewesen sei als ein Arbeitsplatz. Denn: “Wir durften unzählige liebe Kunden begrüßen und begleiten, wundervolle Hochzeitsfeiern, liebevolle Geburtstage, feuchtfröhliche Vereinsveranstaltungen und so viele besondere Momente miterleben.“ Jede einzelne davon bliebe in bester Erinnerung. Und so schließt der Post: “Danke für siebzehn Jahre voller Begegnungen, Geschichte und Genuss. Danke für alles!“ Die Gaststätte "Sandruper Baum" schließt vorübergehend ihre Pforten. Foto: Siegmund Natschke...

Bauprojekt Friedrichsburg: Wo bleiben die Wohnungen?

  MÜNSTER. Eigentlich sollten hier rund 500 Wohnungen entstehen, dazu Kitas, Gastronomie, Nahversorgung und Büros. Eigentlich. Auf dem ehemaligen Klosterareal "Friedrichsburg" zwischen Weseler Straße und Kolde-Ring soll eines der größten neuen Stadtquartiere Münsters entstehen. Doch derzeit ist von diesem Vorhaben auf dem Gelände kaum etwas zu erblicken, nur eine grüne Wiese ist zu sehen. Der Hochbau hat noch immer nicht begonnen, der Tiefbau allerdings auch nicht. Lediglich ein paar Baumaterialien wurden abgelegt. Bauarbeiter? Fehlanzeige. LKWs? Fehlanzeige. Totenstille. Achja: In der Ferne sind zwei Kräne zu sehen. Doch die rühren sich nicht. Hier tut sich nichts. Warum tut sich an der Friedrichsburg nichts? Fotos: Siegmund Natschke Dabei sind die planerischen Voraussetzungen längst geschaffen. Der Bebauungsplan wurde 2022 beschlossen, die Baugenehmigung folgte am 21. Mai 2024. Mehr als zwei Jahre später wartet das Projekt weiterhin auf den eigentlichen Baubeginn. Inves...

Tilman Fuchs: Das will der neue OB

  MÜNSTER. Schon nach der Hälfte der ausgezählten Stimmen war gegen 20 Uhr klar: Der nächste Oberbürgermeister von Münster wird der grüne Tilman Fuchs sein. Ganze 57, 91 Prozent der Wähler stimmten für ihn bei der Stichwahl am Sonntag, für seinen Kontrahenten Georg Lunemann (CDU) votierten 42,09 Prozent (vorläufiges amtliches Endergebnis). Vorgänger Markus Lewe (rechts) gratulierte Tilman Fuchs (li.) Foto: Stadt Münster. Was aber will der erste grüne Oberbürgermeister von Münster? Was sind seine Ziele und Positionen? Wenige Tage vor der Wahl hat das Tilman Fuchs gegenüber „Münster täglich“ erläutert. Um Münsters Finanzkollaps zu verhindern, müssen wir in den kommenden Jahren mehr als bisher Prioritäten setzen.“, betonte er: “Dabei sind für mich die durch den Rat beschlossenen Ziele der Stadt handlungsleitend: Klimaneutralität, Mobilität, Wohnen, der Abbau von Armut und Diskriminierung sowie eine starke Wirtschaft.“ Apropos Wohnen: Hier ging Tilman Fuchs ins Detail. Neue Wohnungen ...